Hitzewellen in Europa 2026
UPDATE (8. August): Deutschland verzeichnete im Juni 2026 mit 41,8 °C einen neuen nationalen Allzeitrekord, im Süden und Westen herrscht extreme, teils katastrophale Dürre. In Italien standen am 3. August 25 der 27 überwachten Städte auf Bollino Rosso, ein bisher nie erreichter Wert. Spanien ist seit dem 29. Juli in einer AEMET-Sonderwarnlage mit 40 bis 42 °C, Frankreich startet in seine fünfte Hitzewelle des Sommers. EU-weit sind rund 254.000 Hektar verbrannt. Quellen: DWD, AEMET, Météo-France, italienisches Gesundheitsministerium, EFFIS.
Der Kontext
Der Sommer 2026 lässt sich in Europa nicht mehr in einzelnen Hitzewellen erzählen, sondern nur noch in Serien. Frankreich steht vor Mitte August bei fünf Episoden, Italien bei vier seit Ende Mai, Spanien hängt seit dem 29. Juli in einer Sonderwarnlage der AEMET. Und Deutschland hat mitten in dieser Abfolge seinen nationalen Allzeitrekord verloren.
Deutschland: Rekord im Juni, Dürre im Sommer. Nach Auswertung des DWD brachte der Juni 2026 mit 41,8 °C einen neuen deutschlandweiten Temperaturrekord. Der eigentlich schwerwiegendere Befund ist aber die Trockenheit: Über dem Süden und Westen sowie Teilen des Ostens hat sich eine extreme, lokal katastrophale Dürre aufgebaut, die Böden, Wälder und Wasserstände über Monate belastet. Der August startete hochsommerlich mit bis zu 39 °C im Süden und Südwesten, während der Norden schneller von Meeresluft gedämpft wurde. Die saisonale DWD-Vorhersage zeigt für August bis Oktober weiterhin eine deutliche Wärmetendenz.
Italien ist derzeit das Zentrum. Am 3. August standen 25 der 27 Städte im Überwachungsnetz des italienischen Gesundheitsministeriums auf Bollino Rosso, der höchsten Stufe, ein in der Geschichte des Systems nie erreichter Wert, und für die laufende Woche wurden alle 27 erwartet. Rom, Mailand, Neapel, Turin, Florenz, Bologna, Venedig, Palermo, Cagliari: die Karte war praktisch einfarbig. Die Spitzen liegen über 40 °C, im Inneren Sardiniens bis zu 44 °C. Gefährlich macht die Lage vor allem die Nacht: Tiefstwerte über 25 °C verhindern die Erholung des Kreislaufs. Im Hintergrund führt der Po historisch wenig Wasser, und die lombardische Reisernte steht unter Druck.
Spanien verbindet Hitze mit Feuer. Die AEMET meldet seit dem 29. Juli ein anhaltendes Extremereignis mit 40 bis 42 °C im Inneren der Südhälfte und 39 bis 41 °C im Ebrotal. Entscheidend ist die Kombination aus Hitze, sehr niedriger Luftfeuchte und südlichem Wind, die das Waldbrandrisiko in kritische Bereiche hebt. Die Bilanz: über 221.000 Hektar verbrannte Fläche im Jahr 2026, die schlimmste Saison der modernen spanischen Geschichte, mit einem Großbrand in Ávila, Madrid und Toledo von rund 80.000 Hektar und dem Brand von Almería am 9. Juli, der 13 Menschen das Leben kostete. EU-weit registrierte EFFIS bis Ende Juli rund 254.000 Hektar.
Frankreich trägt die schwerste Opferbilanz. Vom 21. bis 27. Juni erlebte das Land die schwerste Episode seiner jüngeren Geschichte: 49 Départements auf der höchsten Warnstufe am 22. Juni mit 44 °C in der Haute-Garonne, in der Nacht darauf die heißeste je gemessene Nacht des Landes, und am 25. Juni ein Rekord von 72 Départements gleichzeitig in Rot, rund 35 Millionen betroffene Menschen, über 2.000 geschlossene Schulen. Die vorläufige Bilanz liegt bei mindestens 40 Toten, viele davon Ertrinkungsfälle. Die fünfte Welle des Sommers begann am Wochenende des 8. August mit 12 Départements in Orange und rund 38 °C im Südwesten und im Rhonetal.
Auch Großbritannien ist betroffen: Die UKHSA aktivierte am 5. August Hitzewarnungen für acht Regionen Englands, begleitet von einer Dürre, die die Herbsternte gefährdet. Das physikalische Muster ist überall dasselbe, eine blockierte Hitzekuppel, die Saharaluft nach Norden zieht. Und der Hintergrund ebenfalls: Europa erwärmt sich etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Quellen: DWD, AEMET, Météo-France, UKHSA, EFFIS, italienisches Gesundheitsministerium, Euronews.