Roger Avary
Roger Avary ist der unterschätzte Architekt hinter einigen der kühnsten Drehbücher der 1990er-Jahre – und einer der wenigen Oscar-Preisträger, der wegen fahrlässiger Tötung im Gefängnis saß.
Wer ist Roger Avary?
Roger Avary (* 23. August 1968 in Flin Flon, Manitoba, Kanada) ist ein kanadisch-amerikanischer Drehbuchautor und Regisseur, der durch seine enge Zusammenarbeit mit Quentin Tarantino weltbekannt wurde. Gemeinsam mit Tarantino gewann er 1995 den Oscar für das Beste Originaldrehbuch für Pulp Fiction – eine der folgenreichsten Auszeichnungen der Filmgeschichte.
Avary begann seine Karriere als Videotheksangestellter neben Tarantino in Los Angeles, wo die beiden ihre gemeinsame Leidenschaft für Film entwickelten. Er schrieb eigene Passagen für Pulp Fiction und führte selbst Regie bei Filmen wie Killing Zoe (1993) und The Rules of Attraction (2002), die ihm einen festen Platz im unabhängigen amerikanischen Kino sicherten.
Seinen öffentlichen Ruf erschütterte ein schwerer Autounfall im Jahr 2008: Avary fuhr betrunken und verursachte dabei den Tod eines Freundes sowie schwere Verletzungen seiner Frau. Er bekannte sich schuldig und verbüßte eine Haftstrafe in Kalifornien. Trotz dieses tiefen Einschnitts blieb er dem Film treu und arbeitet weiterhin an Projekten.
Avary ist auch als Adaptor bekannter literarischer Stoffe hervorgetreten – so verfasste er das Drehbuch zu Beowulf (2007, Regie: Robert Zemeckis) und arbeitete an einer Adaption von Bret Easton Ellis’ The Rules of Attraction. Sein Stil ist roh, nonlinear und kompromisslos – Eigenschaften, die ihn ebenso feiern wie polarisieren.