Iran und die Straße von Hormus (2026)
UPDATE (8. August): Iran und Oman einigten sich am 5. August auf geografische Koordinaten für Schifffahrtsrouten durch die Straße von Hormus, was nach Angaben beider Seiten keiner vollständigen Wiedereröffnung gleichkommt. USA, Iran und Oman verhandeln über eine Übergangsregelung (einlaufende Schiffe durch iranische, auslaufende durch omanische Gewässer). Die Angriffe gehen weiter: der LNG-Tanker Gaslog Shanghai wurde am 31. Juli manövrierunfähig, der Massengutfrachter Minoan Pioneer am 3. August getroffen, sein dritter Ingenieur wird weiter vermisst. ADNOC meldet 15 getroffene eigene Schiffe seit dem 28. Februar. Brent ist auf rund 79-81 $/Barrel zurückgefallen. Quellen: Reuters, Euronews, Al Jazeera, Seatrade Maritime, Maritime Executive.
Der Kontext
1.-7. August 2026, ein verwalteter Korridor entsteht, die Angriffe gehen weiter. Die wichtigste Entwicklung der Woche ist diplomatisch. Am 5. August einigten sich Iran und Oman auf die geografischen Koordinaten der Schifffahrtsrouten durch die Meerenge, drei Tage nachdem der iranische Außenminister Abbas Araghtschi am 2. August erklärt hatte, beide Länder stünden kurz vor einer Vereinbarung zur Steuerung des Verkehrs. Beide Seiten betonen, dies sei keine vollständige Wiedereröffnung. Parallel verhandeln Washington, Teheran und Maskat über eine Übergangsregelung: einlaufende Schiffe durch iranische Hoheitsgewässer, auslaufende durch omanische Gewässer, abgestimmt mit Teheran. Möglich wurden die Gespräche erst durch die Aussetzung der US-Angriffe.
Die Angriffe hörten währenddessen nicht auf. Am 31. Juli um 23:30 UTC wurde der LNG-Tanker Gaslog Shanghai unter Bermuda-Flagge mit katarischer Ladung nahe dem Maschinenraum getroffen, rund 11 Seemeilen nordöstlich von Limah: vollständiger Energieausfall, manövrierunfähig, Besatzung unverletzt. Am 3. August um 22:00 UTC traf es den liberianischen Massengutfrachter Minoan Pioneer etwa 20 Seemeilen nordöstlich von Chasab in Oman, mit beschädigtem Maschinenraum, komplettem Blackout, Feuer im Decksaufbau und einem vermissten dritten Ingenieur. Zwei Tage später lag das Schiff unverändert, das Feuer brannte weiter. Am 7. August teilte ADNOC mit, dass seit dem 28. Februar 15 eigene Schiffe in der Meerenge von Raketen oder Drohnen getroffen wurden. Kuwaits Verteidigungsministerium meldete zudem am 1. August, iranische Drohnen im eigenen Luftraum erfasst und abgefangen zu haben.
Wirtschaftlich ist ein Teil des Verkehrs zurück. Der Irak exportierte zwischen dem 4. Juli und dem 4. August über 30 Millionen Barrel Rohöl durch die Meerenge, 62 Schiffe mit indischer Besatzung absolvierten die Passage, mehr als 4.000 indische Seeleute wurden aus der Region repatriiert. Die Märkte haben die Deeskalation eingepreist: Brent lag am 5. August bei rund 79,43 Dollar und im Wochenverlauf bei etwa 81 Dollar, deutlich unter den 89,53 Dollar vom 29. Juli und weit entfernt vom Märzhoch von 118 bis 120 Dollar. Der Stand zum 8. August ist damit eine gemanagte, keine gelöste Krise: ein ausgehandelter Korridor, kein Waffenstillstand, und weiterhin getroffene Schiffe. Quellen: Reuters, Euronews, Al Jazeera, Seatrade Maritime, Maritime Executive, Bloomberg, Asharq Al-Awsat, Kuwait Times, Trading Economics.
25.–29. Juli 2026, USA setzen Luftangriffe aus; fragiler Stillstand, kein Waffenstillstand. Die USA setzten ihre Angriffe gegen den Iran am 25. und 26. Juli für zwei aufeinanderfolgende Tage aus. Trump erklärte, der Stopp erfolge „auf Bitten des iranischen Regimes” und warnte, dass die Angriffe ohne eine neue Vereinbarung wieder aufgenommen würden. Iranische Beamte erklärten jedoch am 27. Juli öffentlich, es gebe „keine aktuellen Verhandlungen mit den USA”, was die Fragilität der Pause unterstreicht. Es gibt keinen formellen Waffenstillstand: das MOU vom Juni ist faktisch tot. Pakistan und Katar drängen aktiv auf eine Wiederaufnahme der Gespräche. Die Straße von Hormus bleibt stark gestört, der Transitverkehr fiel Ende Juli auf rund 10–21 Schiffe pro Tag (gegenüber dem Vorkriegsstandard von 88–140 täglich). Brent notiert zum 29. Juli bei rund 89,53 $/Barrel. Quellen: CNN, NPR, Al Jazeera, Washington Post.
21. Juli 2026, neunter aufeinanderfolgender Tag von US-Angriffen; Friedensgespräche gescheitert. Das US-CENTCOM führt seit dem 12. Juli täglich Angriffe auf iranische Militärziele durch, am 21. Juli bereits im neunten aufeinanderfolgenden Tag. Die laufenden Friedensgespräche, die mit internationaler Unterstützung geführt wurden, sind vollständig gescheitert: Beide Seiten konnten keine Einigung über die Schließung der Straße von Hormus erzielen. Der Iran beharrt darauf, dass die Straße geschlossen ist; die USA und ihre Verbündeten widersprechen dies und führen Geleitoperationen durch, um den Schiffsverkehr aufrechtzuerhalten. Brent notiert bei etwa 78–80 USD/Barrel. Der UN-Generalsekretär appelliert weiterhin zur maximalen Zurückhaltung. Die Lage bleibt hochvolatil, bitte aktuelle Nachrichtenquellen konsultieren. Quellen: CNBC, CNN, Al Jazeera, NPR.
11.–13. Juli 2026, Dritte US-Angriffswelle; Iran erklärt Straße „geschlossen”
Am 11. Juli griffen die IRGC ein Containerschiff unter zyprischer Flagge in der Straße von Hormus an; ein Besatzungsmitglied wurde als vermisst gemeldet. Die USA starteten noch am selben Tag neue Vergeltungsangriffe. Am 12. Juli führte das CENTCOM seine bis dato umfangreichste Angriffsaktion durch und traf rund 140 iranische Ziele: Raketen- und Drohnenstellungen, Marinekapazitäten, Munitionslager, Kommunikationsnetzwerke und Küstenüberwachungsanlagen. Der Iran antwortete mit Angriffen auf US-Stützpunkte in Jordanien, Kuwait, Bahrain und Oman. Teheran erklärte daraufhin die Straße von Hormus „bis auf Weiteres geschlossen”; das CENTCOM wies dies zurück und erklärte, es führe weiterhin Operationen durch, um die Freiheit der Schifffahrt zu gewährleisten. Die omanische Regierung legte einen Vorschlag für einen Zwei-Routen-Korridor vor. UN-Generalsekretär Guterres forderte beide Seiten auf, „maximale Zurückhaltung” zu üben. Brent stieg am 12.–13. Juli um 3,5 % auf 78,67 USD/Barrel; WTI um 3,4 % auf 73,87 USD/Barrel. Quellen: CNBC, Bloomberg, CNN, Al Jazeera, NPR.
7.–9. Juli 2026, Waffenstillstand gescheitert: Iran greift Schiffe an, US-Angriffe wieder aufgenommen
Irans Revolutionsgarden (IRGC) griffen am 7. Juli 2026 mindestens drei Handelsschiffe in der Straße von Hormus an und verletzten damit direkt das „Islamabad-Memorandum” vom 17. Juni. Zu den angegriffenen Schiffen gehörten die Al Rekayat, ein katarischer LNG-Tanker (Feuer im Maschinenraum, Explosionsgefahr), und der Wedyan, ein saudi-arabischer Supertanker mit erheblichen Schäden. Katar beschuldigte den Iran offiziell.
Das US CENTCOM schlug am 7. Juli über 80 Ziele im Iran an und führte am 8. Juli eine zweite Angriffswelle mit rund 90 Militärzielen durch, darunter iranische Luftabwehrsysteme, Führungs- und Kontrollnetzwerke, Küstenradaranlagen, Schiffsabwehrraketen und mehr als 60 IRGC-Schnellboote in und um die Meerenge. Iranische Staatsmedien bestätigten Treffer auf Kharg Island (Irans wichtigstes Rohöl-Exportterminal), Bandar Abbas, Sirik und Qeschm Island.
Auf dem NATO-Gipfel in Ankara erklärte Präsident Trump den Waffenstillstand des MOU für „beendet”, nannte Verhandlungen „Zeitverschwendung” und drohte mit einer möglichen Übernahme von Kharg Island. Die IRGC antworteten am 8. Juli mit Drohnen- und Raketenangriffen auf US-Stützpunkte in Bahrain (NSA Bahrain/Juffair, Sheikh-Isa-Luftwaffenstützpunkt) und Kuwait (Ali-Al-Salem-Luftwaffenstützpunkt, Camp Arifjan). Bahrain und Kuwait meldeten, ihre Luftabwehr habe den Großteil der eingehenden Projektile abgefangen; keine Todesopfer bestätigt.
Die Rohölpreise stiegen am 8. Juli stark: Brent kletterte 6,3 % auf 78,80 USD/Barrel, WTI stieg 6,4 % auf 75,00 USD/Barrel, und machte damit die Erholung vom Kriegshoch von ~92 USD/Barrel im Juni zunichte. US-Militäraktionen dauerten am 9. Juli an. Quellen: CNBC, CNN, NBC News, Al Jazeera, NPR.
Update 19.–21. Juni 2026: Die geplante Unterzeichnungszeremonie in Genf am 19. Juni wurde abgesagt, nachdem erneute Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon den Zeitplan durchkreuzt hatten. Der Iran drohte erneut mit der Schließung der Straße. VP Vance reiste am 20.–21. Juni in die Schweiz für neue technische Gespräche mit den iranischen Unterhändlern (Parlamentspräsident Qalibaf und Außenminister Araghchi). Das MOU-Rahmenwerk gilt weiterhin, die formelle Ratifizierung und die Nuklearverhandlungen sind jedoch blockiert. Ölsanktionslockerung und das Einfrieren von ~24 Mrd. Dollar iranischer Auslandsguthaben hängen von der Umsetzung ab.
Stand: ~6.–7. Juni 2026 (Grundlage) / aktualisiert 21. Juni 2026, Lage entwickelt sich schnell, bitte mit aktuellen Quellen abgleichen.
Die Straße von Hormus ist das engste und strategisch wichtigste Nadelöhr der Weltenergieversorgung: Rund 20 % des global gehandelten Öls passieren diesen schmalen Meeresarm zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel. Wer hier den Hahn zudreht, schüttelt die gesamte Weltwirtschaft durch.
Der unmittelbare Auslöser der aktuellen Eskalation: Ein am 8. April 2026 unter pakistanischer Vermittlung geschlossener US-iranischer Waffenstillstand wurde mehrfach von beiden Seiten gebrochen. Am 1. Juni 2026 erklärte der Iran offiziell, die Straße schließen zu wollen. Am 5. Juni schossen US-Streitkräfte iranische Drohnen ab und bombardierten iranische Küstenradaranlagen; der Iran feuerte daraufhin ballistische Raketen auf Kuwait und Bahrain, die größtenteils abgefangen wurden.
Entscheidend für die Märkte: Eine vollständige Schließung der Straße ist bislang Absichtserklärung, kein vollendeter Fakt. Stand 5. Juni 2026 war der Seeweg noch operativ – allerdings mit drastisch reduziertem Tankerverkehr. Der Brent-Ölpreis hatte sich zwischenzeitlich erholt (er lag zuletzt bei rund 92 US-Dollar pro Barrel, Stand Anfang Juni 2026 – dieser Wert ändert sich täglich), ist aber weiterhin hochvolatil.
Die geopolitischen Fronten sind komplex: Die USA schützen die Durchfahrtsfreiheit militärisch, während der Iran die Straße als letztes großes Druckmittel betrachtet. Regionalmächte wie Saudi-Arabien und die VAE sind unmittelbar betroffen – ebenso Großabnehmer wie China, Indien, Japan und Südkorea, die den Löwenanteil des Hormus-Öls importieren.