Wish
Wish war einmal die meistgeladene Shopping-App der Welt – und ist heute ein leuchtendes Mahnmal dafür, was passiert, wenn man Wachstum über Qualität stellt.
Wish (betrieben von ContextLogic Inc., gegründet 2010 in San Francisco) war jahrelang das Sinnbild für Schnäppchen-Shopping direkt aus chinesischen Lagern: Armbanduhren für 1 €, Werkzeug für 2 €, alles mit Versandzeiten, die eher an Archäologie als an E-Commerce erinnerten. Die App wurde zeitweise häufiger heruntergeladen als Amazon – ein spektakuläres Wachstum, das auf einem ebenso spektakulären Fundament aus Qualitätsproblemen, Fälschungen und frustrierten Kunden gebaut war.
Das Geschäftsmodell war denkbar simpel: Wish vermittelte Bestellungen an Dritthändler, hauptsächlich aus China, kassierte eine Provision und überließ Qualitätskontrolle weitgehend dem Zufall. Was ankam, entsprach häufig nicht den Produktbildern. Negative Schlagzeilen über gefährliche Produkte (darunter unsichere Elektroartikel und Fälschungen von Markenprodukten) häuften sich. Frankreich sperrte die Plattform 2021 zeitweise aus den Suchergebnissen staatlicher Preisvergleiche, nachdem Tests ergaben, dass ein erheblicher Anteil der Produkte gesetzliche Sicherheitsanforderungen nicht erfüllte.
Ab 2021 brach der Nutzerschwund dramatisch ein. ContextLogic versuchte eine Neuausrichtung, drosselte das Billigsortiment und versuchte, seriösere Händler anzuziehen – was die Preise trieb, aber die Stammkundschaft verprellte. Im Januar 2024 verkaufte ContextLogic das Wish-Geschäft schließlich an den Singapurer Anbieter Qoo10 – für gerade einmal rund 173 Millionen US-Dollar, ein Bruchteil der einstigen Milliardenbewertung.
Heute ist Wish unter dem Dach von Qoo10 operativ noch aktiv, aber kaum noch relevant. Wer billig und schnell aus Fernost shoppen will, ist längst zu Temu oder AliExpress abgewandert. Wish ist damit weniger eine Erfolgsgeschichte als ein Lehrstück: Marktanteile kaufen kann jeder – Vertrauen aufbauen ist die schwerere Übung.