Temu
Temu ist die aggressivste Rabattmaschine der Welt – und genau das ist sowohl sein größtes Versprechen als auch sein gefährlichstes Problem.
Temu ist ein chinesischer Online-Marktplatz, der seit seinem Start in den USA im September 2022 und dem Europa-Rollout 2023 die westlichen Märkte mit Billigpreisen geflutet hat. Betrieben wird die Plattform von PDD Holdings, dem Mutterkonzern des chinesischen Giganten Pinduoduo. Das Geschäftsmodell: chinesische Hersteller verkaufen direkt an westliche Verbraucher, ohne Zwischenhändler, Lager in Europa oder nennenswertes Qualitätskontrollsystem.
Die Preise sind so niedrig, dass sie rational kaum erklärbar wirken – und das ist kein Zufall. Temu verbrennt Geld, um Marktanteile zu kaufen. Das Unternehmen soll laut Analysten von Bernstein Research anfangs Verluste von bis zu 30 US-Dollar pro Bestellung eingefahren haben. Wer also kauft, subventioniert gerade seinen eigenen Einkauf mit fremdem Investorenkapital.
Was Verbraucherschützer, Politiker und Datenschutzbehörden in Deutschland und der EU beschäftigt: die App. Temu sammelt umfangreiche Nutzerdaten, und die Frage, wohin diese Daten fließen, ist nicht abschließend beantwortet. Der US-Kongress hat PDD Holdings bereits ins Visier genommen, und die EU prüft Temu im Rahmen des Digital Services Act als sehr große Online-Plattform.
Dazu kommt das Zollproblem: Billigpakete aus China profitierten lange von der sogenannten De-minimis-Regelung (Sendungen unter 150 Euro zollfrei). Die EU hat angekündigt, diese Regelung zu streichen – was Temus Preismodell strukturell unter Druck setzen würde. Wer also heute bei Temu kauft, kauft in einem Markt, der sich gerade fundamental verändert.
Kurz gesagt: Temu ist nicht einfach ein billiger Amazon-Klon. Es ist ein politisch umstrittenes, datenschutzrechtlich fragwürdiges und wirtschaftlich subventioniertes Experiment – und Millionen Deutsche sind mittendrin.