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Nutella

Nutella ist das meistverkaufte Nuss-Nougat-Aufstrich der Welt – und einer der am heftigsten kritisierten Lebensmittelartikel überhaupt.

By · datastats · Aktualisiert 4. Juni 2026
Nutella
Janine from South Korea, United States · CC BY 2.0

Nutella: Süßer Weltmarktführer mit bitterem Beigeschmack

Nutella wurde 1964 vom italienischen Hersteller Ferrero eingeführt und ist heute in über 160 Ländern erhältlich. Das Produkt entstand aus der Not heraus: Pietro Ferrero streckte nach dem Zweiten Weltkrieg knappe Kakaomassen mit günstigem Haselnuss-Fett – und erfand dabei versehentlich ein Milliardenprodukt. Heute erwirtschaftet Ferrero mit Nutella einen Jahresumsatz im hohen einstelligen Milliardenbereich (Euro).

Was die meisten Menschen beim Frühstück kaum ahnen: Nutella besteht zu rund 57 % aus Zucker und zu etwa 30 % aus Palmöl – Haselnüsse und Kakao machen zusammen nur einen Bruchteil aus. Genau diese Zusammensetzung macht das Produkt so umstritten, so günstig in der Herstellung und gleichzeitig so schwer zu imitieren.

Ferrero bewirbt Nutella seit Jahrzehnten mit Bildern von Vollkornbrot, aktiven Kindern und glücklichen Familien. Verbraucherschützer und Ernährungswissenschaftler sehen das anders: Der Nutri-Score stuft Nutella in der schlechtesten Kategorie ein (E in Deutschland). Der Konzern hat juristisch und lobbyistisch gegen Kennzeichnungspflichten gekämpft.

Die Fragen, die Nutzer stellen – zu Palmöl, Boykotten, regionalen Rezeptunterschieden und gesunden Alternativen – zeigen: Der Appetit auf Transparenz ist mindestens so groß wie der auf den Aufstrich selbst. Diese Seite beantwortet, was Ferrero lieber verschweigt.

Häufige Fragen

Ja – und das ist keine Einbildung. Ferrero passt Rezepturen regional an Rohstoffpreise, Geschmacksvorlieben und Produktionsbedingungen an. Mehrere unabhängige Laboranalysen und Verbraucherberichte haben unterschiedliche Konsistenz und Süßegrade zwischen Länderversionen festgestellt. Ferrero bestätigt offiziell, dass es "geringfügige Unterschiede" geben kann, macht aber keine detaillierten Angaben dazu.

Ja. Palmöl ist nach wie vor der zweitgrößte Inhaltsstoff in Nutella – nach Zucker. Ferrero hat zwar 2015 angekündigt, ausschließlich "nachhaltig zertifiziertes" Palmöl (RSPO) zu verwenden, aber das Palmöl selbst ist geblieben. Wer kein Palmöl möchte, muss zu anderen Produkten greifen.

Die offizielle Zutatenliste lautet: Zucker, Palmöl, Haselnüsse (13 %), Magermilchpulver (8,7 %), fettarmer Kakao (7,4 %), Emulgator Lecithin (aus Soja) und Vanillin. Übersetzt heißt das: Über die Hälfte des Glases ist reiner Zucker, fast ein Drittel ist Fett – und der romantische „Haselnuss-Kakao-Aufstrich" aus der Werbung ist in Wirklichkeit vor allem Zuckercreme mit Palmöl.

Nein. Der Nutri-Score bewertet Nutella mit der schlechtesten Note E. Mit rund 530 kcal pro 100 g, einem Zuckeranteil von 57 % und gesättigten Fettsäuren aus Palmöl entspricht Nutella ernährungswissenschaftlich einem Süßwarenprodukt – nicht einem Frühstücksaufstrich. Ferrero selbst empfiehlt eine Portion von 15 g, verschweigt aber, dass das einer knappen Tagesration Zucker für Kinder entspricht.

Es gibt gleich mehrere: hoher Zuckergehalt (gesundheitlich problematisch, besonders für Kinder), Palmöl (Regenwaldabholzung, Biodiversitätsverlust, Menschenrechtsprobleme auf Plantagen), und der millionenschwere Marketing-Apparat, der das Produkt als Teil eines ausgewogenen Frühstücks verkauft. Dazu kommen Vorwürfe, Ferrero habe den Nutri-Score aktiv zu behindern versucht, weil er Nutella schlecht bewertet.

Wenn Nutella ranzig riecht oder schmeckt, ist es verdorben – das erkennt man am öligen, bitterlichen Aroma. Das Mindesthaltbarkeitsdatum liegt meist bei 12 Monaten. Nach dem Öffnen sollte das Glas bei Raumtemperatur und trocken gelagert werden; Feuchtigkeit oder Löffel mit Brotkrümeln beschleunigen den Verderb erheblich.

Nein. Täglicher Konsum – selbst in den von Ferrero empfohlenen 15 g – liefert täglich rund 8,5 g Zucker extra, was sich über Wochen und Monate kumuliert und das Risiko für Übergewicht, Karies und Insulinresistenz erhöht. Kein seriöser Ernährungsexperte würde Nutella als tägliche Gewohnheit empfehlen.

Ferrero nennt 15 g (etwa ein gehäufter Teelöffel) als Referenzportionsgröße. Die WHO empfiehlt, freien Zucker auf maximal 25–50 g pro Tag zu begrenzen – 15 g Nutella liefern bereits 8,5 g davon. Als gelegentlicher Genuss ist das vertretbar; als täglich wiederholte Menge nicht.

Sort of – hier kommt es wirklich drauf an. Honig besteht fast ausschließlich aus natürlichen Zuckern (Fructose, Glucose) und enthält Spurenmengen an Antioxidantien und Enzymen, aber kaum Nährstoffe. Nutella liefert zusätzlich gesättigte Fettsäuren und Palmöl. Honig ist kalorisch ähnlich dicht, hat aber keine Palmöl-Problematik. Als "gesund" würde kein Ernährungswissenschaftler jedoch keines der beiden bezeichnen.

Ernährungswissenschaftlich schlagen Alternativen wie reines Mandelmus, Erdnussmus ohne Zuckerzusatz oder palmölfreie Nuss-Nougat-Aufstriche (z. B. Rapunzel Nougat Creme, Alnatura) Nutella deutlich. Sie haben weniger Zucker, keine oder weniger gesättigte Fettsäuren und kein Palmöl. Geschmacklich ist das natürlich Geschmackssache – aber beim Zutatenverzeichnis gibt es kaum Diskussion.

Ja – im Rahmen einer insgesamt ausgewogenen Ernährung ist ein gelegentlicher Nutella-Genuss ernährungsmedizinisch kein Problem. Einmal wöchentlich eine moderate Portion ist eine andere Kategorie als der tägliche Frühstücks-Ritual. Das sollte man sich nur klarmachen, bevor man die Portion großzügig ausfällt.

Ja, definitiv. Stand heute ist Palmöl der zweitgrößte Inhaltsstoff in Nutella. Ferrero hat lediglich auf zertifiziert nachhaltiges Palmöl (RSPO) umgestellt, den Rohstoff selbst aber nie ersetzt – trotz jahrelanger öffentlicher Kritik und Boykottaufrufe.

Ja, in der Regel schon. Naturbelassene Erdnussbutter (ohne Zuckerzusatz) enthält deutlich weniger Zucker, mehr Protein und gesündere, ungesättigte Fettsäuren. Nutella hat mit rund 57 % Zuckeranteil eine gänzlich andere Nährstoffstruktur. Kommerzielle Erdnussbutter mit viel Zucker und Palmöl kann allerdings ähnlich problematisch sein – also Zutatenliste lesen.

Drei Hauptgründe: Palmöl (Abholzung von Tropenwald, vor allem in Indonesien und Malaysia, verbunden mit Artenschutzverlust und Landkonflikten), irreführende Gesundheitskommunikation durch Ferrero, und die schiere Marktmacht des Konzerns. Der Boykott 2017 in Frankreich wurde zusätzlich durch Preiskriege beim Rohstoff Palmöl ausgelöst, die medienwirksam auf Kosten der Umwelt gingen.

In keinem. Ferrero hat bislang kein palmölfreies Nutella auf den Markt gebracht. Palmöl ist strukturell entscheidend für die charakteristische Konsistenz und Streichfähigkeit des Produkts – und obendrein günstig. Wer palmölfreien Nuss-Nougat-Aufstrich sucht, muss auf andere Marken ausweichen.

Wegen des Palmöls und seiner Folgen: Die Produktion von Palmöl wird mit massiver Regenwald-Abholzung, dem Rückgang bedrohter Tierarten (u. a. Orang-Utans, Sumatra-Tiger) und menschenrechtlichen Problemen auf Plantagen in Verbindung gebracht. Ferrero setzt auf RSPO-Zertifizierung als Antwort – Kritiker halten das Siegel für unzureichend kontrolliert.

Reines Haselnussmus oder Mandelmus ohne Zusätze ist ernährungswissenschaftlich die sauberste Option: keine Zusatzzucker, kein Palmöl, mehr Nährstoffe. Wer das süße Nougat-Aroma vermisst, greift zu palmölfreien Bio-Alternativen wie dem Rapunzel Nussmus Nougat oder Zwergenwiese Schokocreme – beide schneiden im Nährwertvergleich erheblich besser ab als Nutella.

Ja. Palmöl ist mit rund 19–20 % Anteil am Gesamtgewicht der zweitgrößte Inhaltsstoff in Nutella – direkt nach Zucker. Bei einem 750-g-Glas sind das rechnerisch über 140 g reines Palmöl. "Reich an Palmöl" ist also keine Übertreibung, sondern Produktrealität.

Palmöl ist ökologisch massiv problematisch: Für Plantagen werden großflächig tropische Regenwälder in Südostasien und Westafrika gerodet, was zur Klimakrise beiträgt und Tierarten wie Orang-Utans an den Rand der Ausrottung bringt. Gesundheitlich liefert Palmöl vorwiegend gesättigte Fettsäuren, was bei hohem Konsum das LDL-Cholesterin erhöhen kann. Zertifiziertes "nachhaltiges" Palmöl reduziert das Problem, löst es aber nicht.

Nutella gab es in der DDR offiziell nicht – Westprodukte waren für die breite Bevölkerung kaum zugänglich. Das DDR-Pendant war "Nudossi", ein Nuss-Nougat-Aufstrich des VEB Süßwarenkombinats Delitzsch, der seit 1970 produziert wurde. Nudossi hat bis heute Kultstatus und wird noch immer hergestellt – als eines der wenigen DDR-Traditionsprodukte, das die Wende überlebt hat.

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